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Das Schloss

Im Osten und Südosten des Burgkomplexes liegt das besonders von der Talseite wuchtig wirkende Schloss.

Innenhof mit dem zwiebelbekrönten SchneckenturmIn stumpfem Winkel treffen der Süd- und der Ostflügel aufeinander. Während der Südflügel, die ehem. „Kemenate Ottos“, noch einen mittelalterlichen Kern besitzt, wurde der Osttrakt erst 1615 von Jakob I. von Aufseß errichtet.
Beide Teile wurden nach den verheerenden Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges bis 1677 wieder hergestellt. Der einheitliche Charakter der dreigeschossigen Flügel mit Satteldächern und abgewalmten Giebeln wird verstärkt durch drei massige, gedrungene Rundtürme mit Zwiebelhauben an der Südwest-, Südost- und Nordostecke (der Nordostturm nach Einsturz 1879 erneuert) und den Schneckenturm im Innenhof.

Die westliche Giebelfront des Südflügels wird durch zwei mächtige Pfeiler gestützt; hier und am angrenzenden Rundturm sind mehrere Schießscharten. Zur Talseite des Südflügels öffnet sich ein großes spitzbogiges Fenster, das zur Hauskapelle gehört; der Balkon darüber stammt aus dem Jahre 1846.

Das Erdgeschoss des Schlosses beherbergte bis ins 19.Jahrhundert hinein Viehställe, da die Landwirtschaft damals noch von der Burg aus betrieben wurde.

Die Hauskapelle

Im Burghof gelangt man zum Eingang der Familienkapelle, die 1840 von Hans von Aufseß nach dem Vorbild der Ansbacher Schwanenritterkapelle mit verschiedenen Kunstwerken im Erdgeschoss des Südflügels eingerichtet wurde, “einer sakralen Kunst- und Wunderkammer nicht unähnlich“.
Hauskapelle im Südflügel mit großem spitzbogigem Fenster.Im Inneren fallen das lang gezogene Tonnengewölbe und an den Längsseiten spitzbogige Nischen mit Wappen verschiedener alter, mit dem Hans von Aufseß verwandter Adelsgeschlechter (19. Jahrhundert) auf.


Die wichtigsten Ausstattungsstücke in der Kapelle sind:
Spätgotischer Flügelaltar (geöffnet)- der prächtige spätgotische Flügelaltar (um 1520), wohl aus einer Nürnberger Werkstatt. Im Schrein Christus als Weltenrichter (rechts unten werden Mönche in den Höllenschlund geschoben); die Innenseiten der Flügel mit Gemälden der Martyrien (links: Martyrium der Zehntausend, rechts: Martyrium der hl. Ursula). Die Außenseiten der Flügel sind mit dem Drachenkampf des hl. Georg bemalt.
Dornenkrönung- Mythologische Buntglasbilder, z.B. aus der Zeit um 1300, daneben ein spätgotisches Buntglas mit Darstellung der Dornenkrönung Christi.
Taufstein- alter Taufstein mit Relief-darstellung von acht Rittern, die, wie in Arkaden gestellt, ihr Wappen mit der Aufseß-rose schützend vor sich halten; ursprünglich in der Schlosskirche zu Wüstenstein.
- Die barocke kleine Orgel mit bemalten Flügeln.

Gegenüber dem Flügelaltar führt ein spitzbogiger Durchgang zur Totenkapelle und Sakristei. In der Mitte steht ein Kenotaph, umgeben von Wappentafeln (19. Jahrhundert).Um 1845 hatte Hans von Aufseß das Grabmal für sich selbst in Auftrag gegeben. Es wurde nach seinem Tod 1872 jedoch nicht benützt.
Weitere Ausstattungsstücke sind ein spätgotisches Kruzifix mit Dornenkrone (unbekannter Meister) und eine bemalte Totentafel.
Über eine schmale Treppe erreicht man das Burgverlies im anschießenden Eckturm, ein ca. 6 m tiefer runder Schacht mit glatten Wänden, zugänglich über eine viereckige Bodenluke, die mit einem schmiedeeisernen Gitter eingefasst ist. Neben Gefangenen, die mit einem Seil heruntergelassen wurden und bei Wasser und Brot in dem schmutzigen und feuchten Schacht ausharren mussten, konnte man hier in Kriegsfällen auch Familienangehörige und bewegliche Habe verstecken.

Der Ahnensaal

An der Schnittstelle zwischen Süd- und Ostflügel dient im Innenhof der zwiebelbekrönte sog. Schneckenturm mit seiner Wendeltreppe als Aufgang in die oberen Stockwerke. Über dem Eingangsportal prangt das plastische Ehewappen des Jakob von Aufseß (1562-1618) und seiner Gemahlin Katharina (geb. von Wiesenthau); reizvoll ist die heraldische Ausschmückung mit Löwenköpfen als Konsolen, dazwischen die verwitterte Inschrifttafel, auf dem Sturz zwei Meerjungfrauen mit einem Kranz. Unter dem Giebelchen ist die Jahreszahl 1615 erkennbar. Der Turm wurde beim Bau des Ostflügels unter Jakob von Aufseß errichtet.

AhnensaalIm ersten Obergeschoßgelangt man zum Ahnensaal. Der im 19.Jahrhundert unter Hans von Aufseß „altritterlich und romantisch“ ein-gerichtet wurde.

An den Wänden hängen zahlreiche Ahnenbilder, darunter:

Wandteppich (Ausschnitt): Die Taufe ChristiAn der Längsseite des Saales hängt ein wertvoller Wandteppich, gefertigt um 1570, wahrscheinlich niederrheinischer Herkunft (Applikationsstickerei mit Darstellung biblischer Szenen) und an der gegenüberliegenden Wand ein sternförmiges Wirtshausschild mit Aufseßwappen aus Forchheim.

Das Mobiliar, der Kachelofen und die Ausmalung sind neugotisch; an der Südostecke des Saales befindet sich ein reizvoller Turmerker mit Gewölbe, davor das Wandgemälde zweier Ritter von August von Kreling (1819-1876).

Im Vorraum verdienen ein dreiteiliger Renaissanceschrank und mehrere Porträtbilder Beachtung, ferner eine Vitrine mit vorgeschichtlichen Funden (3000- 450 v.Chr.), darunter eine Urne mit Asche aus der Keltenzeit (ca. 450 v.Chr.), die um 1830 auf dem sog. Heidenfeld in Oberaufseß gefunden wurde.

Im Flur, der zum Salon führt, sind weiter Ölgemälde, v.a. Kinderporträts, eine alte Standuhr, schöne Schränke und anderes mehr zu sehen.

Flur zum SalonDer Salon mit barocker Deckenverzierung ist mit reichhaltigem Mobiliar aus der Barockzeit und dem Biedermeier bestückt und besitzt zudem einen bemerkenswerten Kachelofen. Neben anderen hängen hier Porträts von Otto von Aufseß und seiner Gemahlin Jenny, geb. Reitzenstein, gemalt von Wilhelm von Kaulbach sowie das Ölbild der Marlene Märker, geb. von Aufseß, ein Werk von August von Kreling (19.Jahrhundert.).

In der Burg verblieb eigentlich nur, was zur unmittelbaren Geschichte des Geschlechtes gehört.

In einem Gewölbe wird das von Hans von Aufseß geordnete Familienarchiv verwahrt. Durch die Zusammenfassung aller früheren aufsessischen Burgarchive (Aufseß, Freienfels, Wüstenstein,Truppach) entstanden, zählt es 5985 Urkunden des 12.-18.Jahrhunderts. Das neue Archiv, Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt, zählt ca. 2000 Urkunden- und Aktennummern.