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Die Ringmauer und ursprüngliche Ausdehnung der Burganlage

Das gotische Mühlentor. Der Rest der äußeren Ringmauer.Der heute noch bestehende Burgkomplex ist von einer Ringmauer umgeben, die allerdings an vielen Stellen nicht mehr ihre ursprüngliche Höhe besitzt. Der Wehrgang, der einst ringsum führte, ist nirgends mehr erhalten.
Diese umschliessende Mauer ist die Innenmauer der mittelalterlichen Burganlage.

Das gotische Mühlentor. Der Rest der äußeren Ringmauer.Der Zugang zum Burghof erfolgt durch das malerische Burgtor an der Südseite, seine heutige Gestalt erhielt es um 1700. Hier weist die Mauer auf einem kurzen Abschnitt noch die ursprüngliche Höhe von 6-7 m auf; sie ist hier mit Ziegeln abgedeckt. 1931 wurde links vom Tor ein Teil der Mauer durch Einsturz zerstört. Über dem rundbogigen Durchgang prangt in einer Nische ein Wappenrelief der Aufseß mit Rundstäben. Darüber ist eine Reihe barocker flachbogiger Schiessscharten sichtbar, die wohl die Höhe des früheren Wehrgangs markieren.

Diese geschlossen wirkende Anlage ist jedoch nur der Kern der ursprünglichen Burg Aufseß: Bis zum Dreißigjährigen Krieg bestand im Norden, Süden und Osten eine ausgedehnte Vorburg, die sog. Muntat (abgeleitet von Immunität), die in der Grösse eines befestigten Marktfleckens die heutige Burg umgab. Die grosse Ausdehnung der Anlage lässt eine ottonische Landesburg zum Schutz vor Einfällen aus dem Osten vermuten. Anlässlich des Burgfriedens von 1395 erfolgte eine genaue Beschreibung des damaligen Zustandes der Burg. Auf der Grundlage dieser Beschreibung rekonstruierte Hermann von Aufseß um 1890 die Burg in einer Zeichnung (Meingoz-Steinhaus) Bei aller Vorsicht gegenüber romantischen Ausschmückungen durfte die Zeichnung doch in etwa den damaligen Zustand wiedergeben.

Zeichnung der Burg von Hermann von AufseßDer innere, heute noch bestehende Teil war von einer hohen Mauer mit zwei Toren umgeben, im ganzen eine Fliehburg, überragt vom hohen Bergfried.

In der Muntat, dem Freiraum zwischen innerer und äusserer Ringmauer, standen einzelne Kemenaten (von lat. Caminata = beheizbares Zimmer), die Eigentum und Wohnsitz der verschiedenen Familienangehörigen waren, aber auch Kaplanshaus, Stallungen und Speicher. Auch ein zweiter mächtiger Turm konnte nachgewiesen werden. Unter dem Halsgraben im Westen soll angeblich ein unterirdischer Gang den Innenhof und die Munat miteinander verbunden haben, die Ein- und Ausgänge sind jedoch bis jetzt nicht entdeckt worden.

Nach der Verwüstung der Gesamtanlage und der Verarmung des Geschlechts im Dreissigjährigen Krieg wurden nur die innerhalb der inneren Ringmauer gelegenen Gebäude wieder hergestellt; der Raumbedarf war nach den verheerenden Verlusten im Kriege stark zurückgegangen, zudem war eine Verteidigung aufgrund rasanter Fortschritte bei den Artilleriewaffen illusorisch geworden. Zeitgemäss war jetzt das behagliche und repräsentative Wohnen. Die Gebäude der Munat und die Äussere Ringmauer verfielen und dienten mitunter als Steinbruch für den Bau verschiedener Bauernhäuser und die Wiederherstellung der inneren Burggebäude.

Das 5 m hohe, gotische Mühlentor beim Gasthof zur Post ist noch ein Rest der äußeren Ringmauer. Der Gasthof steht an der Stelle der einstigen Kemenate des Burkhard von Aufseß.