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Bergfried & Meingoz-Steinhaus

BergfriedDer älteste, wohl noch bis ins 12. Jahrhundert zurückreichende Teil der Burganlage ist der Bergfried (sog. Rabenturm) auf einem Jurafelsen im Westen des Areals. Das schlanke, quadratische Wahrzeichen der Burg weist nur wenige schmale Lichtschlitze auf und besitzt ca. 2 m starke Quadermauern. An der Westseite, d.h. der Angriffsseite, sind Schiessscharten erhalten. Vor dem Dreißigjährigen Krieg schloss der Turm mit einem Umgang und Satteldach ab.
Nach den Zerstörungen wurde er um einige Meter verkürzt, Noch 1792 besaß er einen Zinnenkranz. Heute wird er von einem niedrigen Zeltdach mit Windfahne bekrönt. Der Zugang an der Südseite in 12 Metern Höhe war einst nur mit (Strick-)Leitern möglich, die im Angriffsfall schnell eingezogen werden konnten (dieser Zugang ist jetzt vermauert). Die jetzige überdachte Außentreppe wurde erst im 19. Jahrhundert durch Hans von Aufseß errichtet. Im untersten Teil des Turmes befindet sich ein Verlies, das im Notfall auch bewohnt werden konnte.

Nördlich an den Turm angebaut ist das lang gestreckte und schmale, eingeschossige Steinhaus, das älteste Wohnhaus der Gesamtanlage. Bauherr war möglicherweise der zwischen 1136 und 1163 urkundlich nachweisbare Meginoz (Meingoz) von Aufseß; deshalb wird das Gebäude erstmals 1395 im Burgfriedensvertrag als „Meingoz-Steinhaus“ bezeichnet. Der Baubestand ist auch heute noch mittelalterlich. Zugänglich ist das Steinhaus über die Aussentreppe durch eine spitzbogige Türe.

Die Innenausstattung geht auf den Gelehrten, Kunstsammler und Gründer des Germanischen Nationalmuseums, Hans von Aufseß (1801-1872) zurück, der hier seine bescheidene und weltabgewandte Wohnung hatte.

Kochstelle im Meingoz-SteinhausGegenüber dem Eingang befindet sich in einem Vorraum die alte Kochnische mit offenem Herd und eindrucksvollem Rauchfang. Zinn- und Kupfergeschirr hängt an den rußgeschwärzten Wänden. Linkerhand gelangt man in das kleine Schlafzimmer mit Bett, Wasserboiler und schwarzem Ofen. Ausgestellt sind Samtmantel und Barett des Hans von Aufseß. Auf einer alten Fotografie (ca. 1870) ist er als Götz von Berlichingen dargestellt.

Schlafzimmer des Hans von AufseßUnter dem Flur, der zur Studierstube führt, befindet sich, mit einer Falltür abgedeckt, ein Gelass als Versteck für Frauen, Kinder oder Schätze in Kriegszeiten. An der Wand im Flur sind eine Halsgeige zur Bestrafung von Übeltätern, ein Stück der Strickleiter, mit der das Gebäude bis zum Bau der Aussentreppe erreichbar war sowie Versteinerungen aus der Umgebung von Aufseß zu sehen.

Studierzimmer des Hans von Aufseß im Meingoz-SteinhausAn der Nordseite des Meingoz-Steinhauses liegt das von Hans von Aufseß nach dem Vorbild der Lutherstube auf der Wartburg eingerichtete Studierzimmer. Sehenswert ist die reichhaltige Ausstattung mit Waffen, Rüstungen, Schränken mit der alten Bibliothek, zwei eisernen alten Geldkassetten, dem grünen Kachelofen (ca. 1600), alten Modeln (Originale im Germanischen Nationalmuseum), Bildern des 19. Jahrhundert, Krückstock und Pfeife des Hans von Aufseß. In der Mitte des Raumes stehen sein Schreibtisch, Pult und Sessel. Eine Reproduktion des bekannten Gemäldes von August von Kreling (1865) zeigt Aufseß als Gelehrten in seinem Studierzimmer (Original im Germanischen Nationalmuseum).