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Hans von Aufseß - Gründer des Germanischen Nationalmuseums

Hans von AufseßDer bekannteste Vertreter des Geschlechts, der den Namen Aufseß weithin bekannt machte, wurde 1801 auf Schloss Oberaufsess geboren und studierte von 1817 bis 1822 an der Universität Erlangen Rechtswissenschaften. Nach dem mit höchster Auszeichnung bestandenen Examen war Aufseß für kurze Zeit im Staatsdienst, zog sich dann aber zurück, um sich der Verwaltung seiner Güter und historischen Studien, vor allem der Erforschung der Familiengeschichte zu widmen. Patriotisch und romantisch, aber auch freiheitlich-liberal gesinnt, erregte er als begeisterter Sammler von Kunst- und Altertumsgegenständen 1830 die Aufmerksamkeit König Ludwigs I. von Bayern. Aufseß hatte den König seinerzeit auf einer Reise durch die Fränkische Schweiz begleitet. Der Monarch schlug ihm vor, seine überaus reichhaltige Privatsammlung zur „Beschauung und Belehrung“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Daraufhin entwickelte Aufseß weitreichende Pläne, die sich bereits 1833 in einem Programm für das spätere Germanische Nationalmuseum niederschlugen; ihm schwebte eine umfassende Sammlung vor, die neben Originaldenkmälern auch Kopien enthalten, d.h. möglichst vollständig sein sollte.
Aufseß rief die „Allgemeine Gesellschaft für Erhaltung der Denkmäler väterländischer Geschichte „ ins Leben und begann die Herausgabe des „Anzeigers für Kunde des deutschen Mittelalters“. Bereits 1832 war er mit seiner Sammlung nach Nürnberg übergesiedelt, unterhielt jedoch weiterhin in der Burg Aufseß eine Wohnung; auch für die Ausgestaltung und Restaurierung der Burganlage hat Hans von Aufseß viel getan.
In einem Beitrag „Patriotische Fragen an Deutschlands Reichs- und Bundestag zu Frankfurt“ schlug Aufseß 1848 vor, dass die Nürnberger Burg Sitz des künftigen Reichstages werden sollte.

Seine Bemühungen in puncto Museum waren lange nicht von Erfolg gekrönt, Rückschläge und Ablehnung, ja sogar Spott von Fachgelehrten wie Wilhelm Grimm und Karl Heinrich Ritter von Lang blieben ihm nicht erspart; längere Zeit zog sich Aufseß grollend auf seine Burg zurück. Letztendlich führten seine Beharrlichkeit und Ausdauer dann aber doch zum Ziel. 1852 wurde auf seine Initiative hin auf der Versammlung der deutschen Geschichts- und Altertumsforscher in Dresden das Germanische Nationalmuseum gegründet und am 3.1.1853 provisorisch im Tiergärtnertorturm am Fuße der Nürnberger Burg eröffnet. Aufseß selbst brachte als Grundstock seine bedeutende Sammlung von Kunst- und Altertumsgegenständen, Büchern und Archivalien ein, die er zehn Jahre lang unentgeltlich dem Museum überliess und später für einen relativ kleinen Betrag dem Museum verkaufte.

Mit finanzieller Hilfe Ludwigs I., der sich auch nach seiner Abdankung 1848 als Mäzen stark engagierte, konnte das Museum 1857 in das restaurierte ehemalige Nürnberger Kartäuserkloster umziehen und erhielt damit sein endgültiges Domizil. Die Konkurrenz um den ständigen Sitz des Museums zwischen Nürnberg, der Veste Coburg und der Wartburg fand damit ein Ende.
Das Museum sollte eine nationale Einrichtung für wissenschaftliche Auswertung deutscher Kunst, Literatur und Geschichte sein und auch historische Schriften veröffentlichen.
Die Konzeption des Germanischen Nationalmuseums wurde später auch für Museen im Ausland zum Vorbild, so für das Victoria and Albert Museum in London oder für das Österreichische Museum für Kunst und Industrie in Wien. Zehn Jahre lang, bis 1862, versah Aufseß ehrenamtlich das Amt des Vorstandes, blieb aber auch nach seinem Rücktritt - er war auf Lebenszeit zum Ehrenvorstand ernannt worden – dem Museum verbunden.
Aufsess´ vorausschauender Plan einer bis 1650 reichenden Repertorisierung aller Urkunden, Akten und Handschriften und die Inventarisierung sämtlicher Kunstdenkmäler scheiterte dagegen wegen zahlreicher Widerstände.
Nach seinem Rücktritt vom Vorstand kaufte er sich 1862 ein Gut in Kreßbronn am Bodensee und nahm 1868 an der Gründung des Vereins für Geschichte des Bodensees teil. 1872 wurde Aufseß bei der Gründungsfeier der deutschen Universität Straßburg in allgemein fanatisierter und nationalistischer Stimmung durch ein Missverständnis für einen Franzosenfreund gehalten und misshandelt. Er starb auf der Rückreise nach Kreßbronn im Mai 1872 im schweizerischen Münsterlingen. In der Münchner Ruhmeshalle, dem „Ehrentempel“ für besonders verdiente bayerische Persönlichkeiten, steht seit 1987 auch eine Büste von Hans von Aufseß, ein Werk des Bildhauers Georg Rauwolf.

Aus seiner Ehe mit Charlotte, geb. von Seckendorf, gingen zwölf Kinder hervor; herauszuheben sind: